'Ein Guerillakämpfer der Filmbranche'

  Kärntner Tageszeitung,
  27. Juli 2008, Seite 32-33


  Der Kinoleinwandgeher
KTZ, 27. 07. 2008, Seite 32-33
Ein Guerillakämpfer der Filmbranche

Regisseur Michael Pfeifenberger hat sich in Österreich auf unkonventionelle Art eine eigene Plattform geschaffen. Im Moment arbeitet er an einem Film über den Kärntner Literaturpreisträger Josef Winkler.


VON GUDRUN ZACHARIAS

Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und Selbstvertrauen, Eigenschaften, die man mitbringen muss, will man es in der österreichischen Filmbranche zu etwas bringen.
Michael Pfeifenberger scheint diese Charakteristika in sich zu vereinen. „Als Guerilla-Filmemacher musst du dir hierzulande eine eigene Plattform schaffen“, beschreibt der Regisseur seine Arbeit.
Wie das gehen kann, hat der gebürtige Salzburger auf unkonventionelle Weise vorgemacht: So hat er etwa der Schauspielerin Marianne Sägebrecht einen (wie er selbst sagt) Liebesbrief geschrieben. „Ich habe sie in ‚Out of Rosenheim’ fantastisch gefunden und wollte unbedingt mit ihr arbeiten.“

Liebesbrief an Sägebrecht

Die deutsche - auch in Hollywood erfolgreiche Schauspielerin zeigte sich von dem Schreiben beeindruckt und erklärte sich prompt einverstanden, mit dem Österreicher das Psychodrama „Thanksgiving die nachtblaue Stadt“ zu drehen. Bei seinem Erstlingswerk in Spielfilmlänge punktete der Wahlwiener besonders mit der Bildsprache.
Die setzt Pfeifenberger auch in seinem aktuellen Projekt gekonnt in Szene: „Der Kinoleinwandgeher“ ein Portrait über den Kärntner Literaturpreisträger Josef Winkler ist ein in Etappen gedrehtes Roadmovie mit dokumentarischen Elementen, das Radikales mit Poetischem vereint. „Ich fühle mich mit Josef Winkler verbunden. Genau wie er bin auch ich ein Bergbauernsohn“, erklärt Pfeifenberger seine Motivation zur Zusammenarbeit mit dem Literaten.
Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Mexiko und Indien statt. „Wir mussten an Originalschauplätzen drehen, um kompromisslose Bilder, die Winkler entsprechen, zeigen zu können.“ Klingt nicht gerade nach leichter Kost
Produzent Gerhard Lapan von der Kärntner Focusfilm: „Der Kinoleinwandgeher’ ist ein Arthouse-Projekt für Programmkinos und ein feinsinniges Publikum.“ Als Arthouse-Regisseur scheint sich Pfeifenberger wohlzufühlen. Das Wissen um die alternative Filmkunst will er weitergeben: An der Filmhochschule in Tel Aviv unterrichtete er mehrere Semester. „Mich faszinieren die israelische Kultur und das Judentum. Es ist ja auch ein Teil unserer Geschichte. Bei uns werden hauptsächlich Filme über Hitler und Göring gemacht, das hängt mir schon zum Hals heraus, viel interessanter ist etwa die reflektierende Sicht der Enkel der Holocaustopfer.“

Lüge spannender als Wahrheit

Pfeifenbergers Filme sind sehr nahe an der Realität, und doch Fiktion. „Im Gegensatz zur Gerechtigkeit ist mir Wahrheit nicht immer so wichtig. Die Lüge ist meist viel spannender.“